Bericht eines Großfeuers im alten Lägerdorf

-Einem Augenzeugen nacherzählt-

Im Winter von 1870 auf 1871 war ein Großfeuer in Lägerdorf. Es brannte das Bauernhaus des Bollhusners Hinrich Micheel. Nicht weit davon hart an der Straße, stand das Haus des Halbhufners Johann Rehder. In Micheels Scheunenkate wohnte der Arbeiter Claus Ramm, dessen halbwüchsige Jungs beim Spielen mit Streichhölzern das auf der Katendiele liegende Stroh entzündeten und so das Großfeuer entfachten.
In kurzer Zeit brannte die Kate lichterloh. Bei starkem Südostwind griff das Feuer der Kate schnell über auf Micheels und Rehders Strohdächer. Einzelne Rufe „Feeuuueerr !“ riefen die Feuermelder auf den Plan, welche durch ihre Hornsignale das ganze Dorf alarmierten. Alle eilten mit ihren Feuergeräten herbei. Der bereits anwesende Gemeindevorsteher Heinrich Heesch gab jetzt als Brandmeister die zum Löschen notwendigen Anordnung und beaufsichtigte alle Löscharbeiten.
Da schon die Dächer der Häuser in Flammen standen, beschränkte man sich zur Hauptsache auf die Rettung der gefährdeten Nachbarhäuser. Schnell waren die langen Leitern an die Dächer gestellt, die Dachstühle auf den Flächen verteilt und mit der nötigen Mannschaft besetzt. Inzwischen hatten die Wasserträger von der Wasserstelle bis auf das Dach mit ihren Noteimern eine lange Doppelkette gebildet. Schulkinder bildeten eine Reihe, in der die geleerten Eimer von der Brandstätte zurück zur Wasserstelle von Hand zu Hand gingen, während die zweite Kette aus Erwachsenen Männern und Frauen die gefüllten Eimer beförderten. Auf diese Weise gelangten Eimer auf Eimer nach oben und so gut es eben ging, wurde deren Inhalt auf die gefährdeten Dachstellen verteilt. Ein weiteres Umsichgreifen des Brandherdes wurde auch glücklich verhindert.
Besonders gefährdet war wegen des herrschenden Windes das Gewese des Gastwirtes Hinrich Hauschild. Wahre Feuergarben regnete es auf das mit Pappe bedachte Saalgebäude und doch gelang die Rettung. Von dem Eifer bei den Rettungsarbeiten genügt folgender Fall. Gleich zu Beginn des Feuers bestieg der bald 80 jährige Brillwitz das Dach des Micheel´schen Hauses um die aufsteigenden Funken auszuschlagen. Das Feuer aber wütete schon im inneren des Gebäudes und erst dann, als die Flammen rings um ihn das Dach durchbrachen, gab er seinen gefährlichen Posten auf. Er ließ sich einfach vom Dach herabgleiten und wurde unten von kräftigen Männerarmen aufgefangen.
Die ganze Habe der vom Brand heimgesuchten Bewohner wurde gerettet, sogar die Mausefalle und ein Bund Streichhölzer, wie Jasper Schuldt zu sagen pflegte.
Die Arbeiten an der Brandstätte bestanden darin, dass man die Sparren und Balken mit dem Feuerhaken niederriss, sie aus dem Feuer herausschleifte und löschte. Die aus dem Fachwerk bestehenden Hauswände wurden ebenfalls niedergerissen, wenn sie nicht schon inzwischen eingestürzt waren und die einzelnen Holzteile gelöscht. Diese Art des Löschens ergab daher ein wenig Schutt und die Räumungsarbeiten waren bald erledigt... Nach dem Brande kontrollierte der Gemeindevorsteher gewissenhaft, ob auch alle Einwohner, die mit Löschgeräten ausgerüstet, zur Stelle waren. Die vorher erwähnten Gebäude die dem Feuer zum Opfer fielen, wurden nicht wieder aufgebaut, da die Grundstücke bald darauf der Firma Alsen gehörten.

-- frei nach Chronik der FF Lägerdorf zum 100jährigen Jubiläum im Jahre 1989--

   
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